LOST IN FRANSLATION - DER FRANSENROCK ZUR FASHION WEEK

Dienstag, 2. Februar 2016



Ich gestehe - Bratwurstmadl wurde in der letzten Zeit erheblich vernachlässigt. 
Das lag noch nicht einmal an einer Schreibblockade, meinem übermäßigen Alkoholkonsum oder dem Projekt mir den Frequent Traveller Status mit ziemlich vielen -beschissen koordinierten- Flügen zu erschleichen.
Die Wahrheit ist dass es für einen Single in Frankfurt nicht viele Gründe gibt sich schön zu machen.
All die Flachzangen, die Potenzproleten, Bindungsphobiker und Muttersöhnchen sind es eben nur selten Wert die schöne Robe ausführen.
Um mich aber in der verbeulten Hose, dem Pulli mit Zahnpastafleck und meiner Strickmütze bei der man nicht weiß ob ich a) Britney Spears nach Ihrem letzten Absturz b) ein Bankräuber oder c) einfach nur ein Assi bin ablichten zu lassen, nur damit ich etwas online stellen kann - dafür reichte mein Narzissmus dann leider doch nicht.  So gar nicht Bloggerlike, versteh ich schon.
Verstellen willst du dich ja aber auch nicht, Stichwortz Authentizität.
Meine Güte, das musst du außerdem beim Dating schon zur Genüge.
Heutzutage musst du schließlich ein Portfolio an Charakterzügen aufweisen können.
Die Herzliche, die coole Socke, die Emotionale, das sexy Biest - nicht zu vergessen die Sache mit dem Pferdestehlen. Ich mein, come on, hätten die Schauspielerinnen bei GZSZ nur halb so viel drauf müssten die nicht alle im Dschungelcamp abstürzen.
Da ich mich, nach meiner Performance als Bestatter im Schultheater in der 5ten Klasse, gegen die Schauspielkarriere und für ein Leben mit ausgereiztem Dispo entschieden habe bleibe ich wie ich bin.
Authentisch. Abschreckend. Allein. 

Mal ausgenommen zur Fashion Week.
Trotz der Begrenzung des Reisegepäcks, ich berichtete bereits hier davon, zwang mich Lieblingsfreundin Diana mal wieder die Haare zu machen und mich rauszuputzen.
Den Look trug ich zur Fashion Hall zur Schau was sich, angesichts der Berliner Temperaturen und den damit einhergehenden Vereisungen der Gehwege, als eine ziemlich naive und bescheuerte Idee herausstellte. So gar nicht authentisch eigentlich.

Ich trage:
Fransenrock: H&M Trend
Strickpullover: H&M
Overknee Stiefel: via Zalando


3...2..1.. Countdown zur Fashionweek

Sonntag, 17. Januar 2016

 Montag, 21:38. Abflug: 68 Stunden.
Mit einem Detoxtee stoße ich auf mich selbst an. Es ist der Wahnsinn – drei Tage bis zum Abflug und ich befasse mich aktiv mit dem Koffer packen. Fuck that, Planlosigkeit.
Ich hake fleißig To- Do- & Packlisten ab, wasche meine Schlüpfer alle nochmal und stelle mir eine Reiseapotheke zusammen. Ich bin der Inbegriff der Vernunft und euphorisch & optimistisch zugleich dass ich die nächsten 10 Tagen on the road perfekt in mein Reisegepäck unterkriegen kann.
Ich stopfe Outfits nebst Frisier-Heißgeräten und überlege kurz ob ich jetzt offensichtlich erwachsen genug bin mir einen dieser grässlichen „In Case of Loss - please return to“ Anhänger an meinen Koffer zu hängen. Fashion Week kann kommen.


Donnerstag, 13:02. Abflug: 4:28 Stunden.
Ich möchte Schnaps. Jetzt sofort. Ich möchte Schnaps, einen Kopfschuss oder ein neues Flugticket. Kann es sein dass es Karma ist? Ist das die Breitseite dafür dass ich den Obdachlosen kein Kleingeld mehr ins Hütchen schmeiße?
Mein Koffer, fertig gepackt, steht im Gang bereit.
Gleich geht’s los. Für mich. Den Koffer hab ich nämlich nicht mitgebucht.
Fuck that, Spartarif.
Ein nachbuchen ist möglich, wohl aber nicht mehr im Budget.
Ich möchte nochmal in Erinnerung rufen: Ich bin jetzt 10 Tage weg.
Wohl auch nochmal auf der Fashion Week. Mitnehmen darf ich Handgepäck.
H A N D G E P Ä C K.
Dass ist das wo wir frauen unsere Schminke verstauen.
Kurz bin ich davor den ganzen Trip zu canceln und mich in meine Stammkneipe zu setzen.
Dann fällt mir ein dass ich erwachsen bin.
Challenge accepted.

Was folgt sind minimalistische Fashion Week Looks.
Weniger ist mehr und dabei sein ist alles.
Man kann sich eben alles schön reden - wenn man möchte. 


Mütze, Cardigan, Pullover: H&M
Overknees: Anna Field
Jeans: Dr. Denim









Blondinen bevorzugt: Fake Fur Jacke und Denim

Freitag, 11. Dezember 2015


Vielleicht ist es euch noch gar nicht aufgefallen - aber ich bin wieder blonder geworden.
Um ehrlich zu sein war das gar nicht nötig.
Ich stell mich in letzter Zeit auch so schon dämlich genug an.

Am Wochenende erst.
So ein  fancy Freitagabend einer Mittzwanzigerin. Den Clubs hab ich ja schon vor geraumer Zeit abgeschworen - spätestens dann aber als sich die ganzen funky Remixes und Beats nicht mehr von dem Geräusch einer kaputten Waschmaschine unterscheiden ließen.
Ich stiefelte also, in alter Frankfurter IT Girl Manier- mit fettigem Haar, ohne BH, in Schlafanzugshose & Wollmantel nicht aber ohne meinen Kitten Heel Stiefelchen mit Nietenbesatz, zum Rewe meines Vertrauens um die Ecke.
Ein Freitagabend bei Rewe erinnert übrigens stark an Berlin '45: Schlachtfeld.
Während sich die jugendlichen Assozialen um Hochprozentiges herumschleichen, diskutieren diese modernen, ernährungsbewussten Familien die irgendetwas mit Marketing studiert haben über die Menügestaltung am Wochenende.

Generell betrachtet finde ich ja das Einkäufe viel über einen Menschen, besonders aber über einen Mann aussagen. Zeig mir dein Körbchen und ich sag dir wer du bist.
Ich würde sogar soweit gehen und behaupten dass ich aus Supermarktwaren mehr charakterliche Eigenschaften und Eigenarten  als aus einem minutiös aufgestellten Horoskop rauslesen kann.
Denn Einkäufe sind, im Gegensatz zu den meisten Männern, wenigstens ehrlich.
Die Familienpackung Miracoli zusammen mit dem Kuschelweich Weichspüler, zum Beispiel, lassen sich auf einen ausgeprägten Mutterkomplez zurückführen
Gemüse in Kombination mit einem laktosefreien Aufstrich und einem Biorotwein sprechen für die Freundin die beim einschlafen immer kalte Füße hat und schon in der gemeinsamen  65qm² großen Mietwohnung wartet. Billige Eier aus Bodenhaltung verraten dass der Käufer selbst zur Gruppe "kleine Eier" gehört und die Yogurette im Männer Einkaufskorb gibt uns zu verstehen: Finger weg.

Um aus meinen Einkaufskorb keinen ehrlichen zu machen (zwei Flaschen grüner Veltliner und die neue Ausgabe der InStyle) griff ich zu sogenannten lebensaufwertenden Alibi - Lebensmitteln.
Fläschchen Smoothie, ein Bund Blümchen, Coccktailtomaten, der Winterzauber Tee und ein Eiweißbrot. Nicht dass ich irgendetwas davon brauchte. Oder gar konsumieren wollte. Es macht sich nur einfach an der Kasse gut.
Gerade als ich meine Lebensmittel auf Band legte, überlegte ob ich es noch wagen könnte ein Snickers dazuzupacken und die Kasssiererin die Waren einscannt merkte ich es.
Zwar hatte ich in alter weltrettermanie und voller umweltbewusstsein meinen Jutebeutel eingepackt - nicht aber meinen Geldbeutel. Der lag auf meriner beschissen ehrlichen Malmkommode in meiner Wohnung.
An dieser Stelle möchte ich auch gern noch mal auf mein Erscheinungsbild aufmerksam machen. Ich stand da also, führte die gefühlt kilometerlange Schlange an der Kasse an. Mit fettigem Haar, ungeschminkt und ohne BH und in Schlafanzugshose und konnte nicht bezahlen.
Der Blick der Kassiererin ließ mich erschaudern. Mit ähnlicher Verachtung hat damals nur Sylvie auf Sabia Boulahrouz herabgeblickt. Und ich spürte die Verachtung der Marketingfamilien und Komasäufer im Nacken. Fast lief ich Gefahr mit Biowaren und Red Bull Döschen beworfen zu werden. Es war nicht nur erniedrigend. Es war erbärmlich und vorallem unnötig und bescheuert meiner seits.
Mit meinem letzten bisschen Restwürde und einer gehörigen Portion Mut sagte ich also mit stolzer und fester Stimme: "Ich bin mir nicht sicher ob Sie Provision bekommen. Trotzdem, Ein blöder Fehler. In diesem Laden kaufe ich nicht!"  und verließ gehobenen Hauptes und mit soviel Achtung es mir unter gegebenen Umständen eben noch möglich war den Supermarkt.
Ich wollte das schon immer sagen. Genau wie Julia Roberts eben. Ich bin mir nicht sicher ob es bei mir die selbe Botschaft hatte.
Jedenfalls muss ich mir nun einen neuen Stammsupermarkt suchen.




 MEIN LOOK:
Jacke: Pull & Bear
Jeans: Zara
Schuhe: Buffalo 
Schwarzes langes Ding aus Chiffon: Der Italiener, lokales Geschäft in Nürnberg
grauer Schal: Anokhi











EIN FREU(N)DLOSER HERBSTLOOK

Samstag, 5. Dezember 2015




Mein Leben in Frankfurt hat einen neuen Tiefpunkt erreicht.
Ich bin nun einer MOF (Menschen ohne Freunde) Gruppierung beigetreten. Natürlich haben sich die Organisatoren einen anderen, fancy Namen für das Spektakel ausgedacht.
Macht es an sich aber auch nicht besser.
Man darf sich das vorstellen wie eine Ü30 Party in einer Großraumdisco.
Lauter verzweifelte, frustrierte Menschen wie ich.
Resteficken im übertragenen Sinne.
Ich gehe mal so weit und traue mich zu behaupten dass das schon Gründe hat warum hier niemand mit einem Freundschaftsbändchen am Handgelenk steht.
Wir sind die die beim Völkerball niemand in seine Mannschaft wählen wollte.
Der traurige Rest der Fachpersonal an Kundenhotlines zutextet nur um mal wieder ein bisschen socializen zu können.
Mal abgesehen davon, dass das schon erbärmlich genug ist, werden wir weiter erniedrigt. Wir müssen uns ein Namensschild auf die Brust kleben und zwei famos ausgefallene Eigenarten von uns überlegen und auf Zettel schreiben.
Nach langem hin und her entscheide ich mich, nicht ohne stolz, „trinkt mehr Bier als Wasser – auch tagsüber“ und „kann alle Artikelnummer der Balmain for H&M Kollektion aufsagen“.
Wer mich kennt weiß: das beschreibt mich schon ganz gut.
Blöderweise stellt sich heraus dass ich – wie schon in der dritten Klasse bei den Mathetext Aufgaben – die Aufgabenstellung wohl anders ausgelegt habe. Oder einfach einen verschobene Definition von „Einzigartigkeiten“ habe.

Das schlimmste ist dass nach und nach alle Zettelchen vorgelesen werden – laut. Vor der ganzen Gruppe.
Wir müssen dann raten wer so geil einzigartig ist.
Super.
Die Leute um mich herum fiebern mit der selben Begeisterung mit, wie sie ihre Club Mate schlürfen und im Takt von der Indiescheiße aus den Boxen wippen.
Ich schiele heimlich auf mein Handy um mich per Google Maps zu vergewissern dass ich mich tatsächlich noch in Frankfurt aufhalte – und nicht in Kreuzberg.
Als Nikolaus – der auch darauf besteht das man ihn Nikolaus nennt – zugeornet wird dass sein Vorbild Max Frisch ist und er mehr Menschen für den Veganismus, durch öffentlich inszinierte Theaterstücke, gewinnen möchte entscheide ich dass ich ihn nicht für voll nehmen muss.
In Wahrheit bin ich ein bisschen geflasht von seinem Zöpfchen. Ich mein, in Zeiten in denen es der Männerschaft erlaubt ist schönere Duttfrisuren zu tragen als wir sie uns hinfrisieren können frag ich mich manchmal was Männer uns noch alles wegnehmen dürfen. Ist unser baldiges Alleinstellungsmerkmal bald wirklich nur noch unsere Monatsblutung?

Gerade als ich mit einen Gin Tonic ordern will und mich der Barkeeper allen Ernstes fragt was in diesen Cocktail reinkommt, wird meine Affinität zu Bier und Klamotten kundgetan.
Da ich in meinem Pailettenkleidchen und ohne Jutebeutel an der Bar stehe und den Barkeeper als „eine erbärmliche Schande seiner Zunft“ beschimpfe ist man sich recht schnell einig dass es sich um mich handeln muss.
Unnötig zu erwähnen dass ich an diesem Abend nur wenig neue Kontakte knüpfte.

MEIN LOOK:
Schuhe: Asos
Latzhose: H&M
Pullover: Maison Scotch
Poncho: von Mami letztes Jahr zum Geburtstag bekommen