Gerade so:

Angepisste, hässlich verkleidete Kinder, soeben an meiner Türschwelle mit Senf und Mini- Baileys Fläschchen abgespeist worden, lassen Ihre Wut und Enttäuschung, mit rohen Eiern, am Küchenfenster aus.
Blöderweise an dem meiner Nachbarin. 
Diese reist selbiges auf und brüllt entsetzt: "Hey, ich bin vegan!"



mal wieder

ist verdächtig ruhig hier.
mal wieder.
zieh nämlich gerade um.
mal wieder. 

Mango All Over white pants & top


Hose: Mango -hier so ähnlich & auch noch im Sale-
Top: wieder Mango, gibt es noch hier 
Perlenkette(n): H&M, noch schöner aber hier
Schuhe: Promod ähnlich noch hier verfügbar 

Getestet:
Die Spanier sind, im Gegensatz zu uns disziplinierten und pünktlichen Deutschen, ja zeitlich- ach, was sage ich- im Allgemeinen etwas flexibler.
Mit einem lässigen mañana, einer ausgiebigen Siesta und einer "Komm ich heut nicht, komm ich morgen" Attitüde, von der sich selbst mein ständig kiffender Exfreund noch etwas abschauen könnte, wird in den Tag hineingelebt. Nachdem ich, letzte Woche, vor verschlossenen Türen und eine Stunde lang -wie bestellt und nicht abgeholt- vor Starbucks stand, darf ich sogar soweit gehen und sagen:
Die einzigen Spanier auf die man sich tatsächlich noch verlassen kann sind Zara und Mango. 
Und daher - und um mein katalanisches Urlaubsfeeling noch etwas zu verlängern- huldige ich heute einem meiner Lieblingsspanier, im total All-over Look. Zwar macht das aus den 13 Grad keine 26 mehr, mir wird trotzdem ganz warm ums Herz - und dank Granufink- für die schwache Blase- welches ich präventiv schon mal schlucke, kann man den Crop Top Trend wohl noch etwas mitmachen.


Postcard from Barcelona




Barcelona, 10. Oktober 2014

Amiga mi Amora! Amora, habe ich erfunden, gebe ich ehrlich zu.Mein verstaubtes Schulspanisch reicht leider nicht aus, um auch nur irgendeine Kommunikation hier zu gewährleisten. Und trotzdem fühle ich mich pudelwohl. Vielleicht weil ich das ja eh schon kenne: nicht verstanden zu werden. Anonym tauche ich in den lauten, engen Straßen ab. Schlängele mich durch Touristengruppen mit Sandalen, Käppis und Bermudashorts in beige. Solange, bis ich keinen schwäbischen Dialekt höre und die Kellner nicht mehr vor dem Restaurant stehen müssen. Dann bestelle ich mir Pan und Jambon und schweren, tiefroten Wein und beobachte die Einheimischen. Und danach, wenn es schon sehr, sehr dunkel ist (die Spanier essen ja auch sehr, sehr spät!) und die Straßen nur von den spärlich verteilten Orangenen Straßenlaternen, den Leuchtreklamen und den Sternen beleuchtet werden, laufe ich zügig zum Meer runter. Lausche dem Rauschen, bewundere den glitzernden Mond auf der Wasseroberfläche und atme die salzige Luft ein. Und obwohl ich dich in keinem Moment mehr vermissen könnte als jetzt, muss ich gestehen, alleine reisen ist, mas o menos,gar nicht so scheisse wie angenommen. 

Adios Amiga, 
bis bald! 

Deine Karla 


Donnerstag, 22:49 Uhr Tag vor diesem Feiertag. 
Während ich meine gedankliche Pro- & Contra Liste, ob und warum ich mich nochmal mit dir treffen sollte, abwäge (Pro: habe 2 Kilo abgenommen, meine neuen Schuhe müssen ausgeführt werden |
Contra: die zwei Kilo habe ich, zugegeben, an wirklich strategisch ungünstigen Stellen - Arsch und Titten- abgenommen, der post traumatische Schmerz nach einem Date wird weder von der AOK übernommen, noch hat Ratiopharm, bis dato, einen Wirkstoff dagegen entwickelt) reißt mich ein stechender Schmerz aus meinen Gedanken.
Jemand eine Straftat geplant?
Ein sehr heißer konischer Lockenstab reicht nämlich völlig aus um sich seiner Identität, und auch der Fingerkuppen, zu entledigen. 

Dabei brauche ich gar keine neue Identität. Kennt mich ja eh fast keine Sau hier.
Brauche viel mehr neue Frisur.

Es ist Donnerstag, 22:52 vor diesem beschissenen Feiertag und ich überlege ob ich dem Grauen auf meinem Kopf mit einer Nagelschere ein Ende bereiten sollte. Ich habe mir, mit meinem Keramik & Perlen beschichteten Lockenstab, sieben Finger versengt, selbstredend daher auch höllische Schmerzen, 90 Minuten meiner Lebenszeit geopfert und trotzdem nur die linke Vorderseite meiner Mähne gelockt. 
Ich sehe, so ehrlich muss man sein, gerade ziemlich scheiße aus.
In genau acht Minuten treffe ich mich mit dir am Bahnhof, wo ich gar nicht weiß ob ich dir um den Hals fallen will oder doch lieber in die Fresse hauen sollte. 
Acht Minuten sind zu wenig.
Zu wenig um meinen moralischen Kompass wieder nach Norden zu polen und meine Bedenken beiseite zu werfen. Vor allem aber zu wenig um auf meine Frisur klar zukommen. 
Ich wünschte, ich hätte kürzlichst nicht erst mit dem Rauchen aufgehört.
Ich sehe Nikotin ja, zumindest in solchen Momenten oder aber in denen mit rauen Mengen an Alkohol, als bewusstseinserweiternde Medizin an. Kurz bin ich davor die alten, runtergebrannten Stummel aus dem Aschenbecher meines versoffenen Nachbars zu klauen um mir ein paar letzte, euphorische Züge zu beschaffen.
Beschließe jedoch, dass ich als halb seits gelockte ABBA Agnetha, keinen weiteren erheblichen Würdeverlust vertragen könnte. 
Und dann, dank der bewusstseinserweiternden Wirkung der 3 Duplo, die ich vor Aufregung und als Ersatz, schnell eingeatmet habe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen:
Das geht gar nicht. Ich kann dich doch noch gar nicht sehen.
Das geht nicht jetzt, nicht in acht Minuten und bestimmt auch nicht in acht Monaten. Mit Mühe und Not habe ich, so rede ich es mir zumindest erfolgreich ein, das letzte bisschen Würde wieder zusammen gekratzt. Das klitzekleine bisschen an Würde, was dir nicht hinterher gelaufen ist, dich nicht auf Facebook gestalkt hat oder auch nicht im Tequila ertränkt wurde. 
Und in acht Minuten, da bin ich mir sicher, würde ich auch noch den Rest verlieren.
Und endlich, endlich, endlich - nach 25 Jahren gespickt mit schlechten und unnötigen Beischlafpartnern,  peinlichen SMS und langen Abenden mit Barolo- sehe ich es ein: 

Dafür bin ich mir mittlerweile, eigentlich zu Schade.   



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