Blondinen bevorzugt: Fake Fur Jacke und Denim

11. Dezember 2015 Graben-Neudorf, Deutschland


Vielleicht ist es euch noch gar nicht aufgefallen - aber ich bin wieder blonder geworden.
Um ehrlich zu sein war das gar nicht nötig.
Ich stell mich in letzter Zeit auch so schon dämlich genug an.

Am Wochenende erst.
So ein  fancy Freitagabend einer Mittzwanzigerin. Den Clubs hab ich ja schon vor geraumer Zeit abgeschworen - spätestens dann aber als sich die ganzen funky Remixes und Beats nicht mehr von dem Geräusch einer kaputten Waschmaschine unterscheiden ließen.
Ich stiefelte also, in alter Frankfurter IT Girl Manier- mit fettigem Haar, ohne BH, in Schlafanzugshose & Wollmantel nicht aber ohne meinen Kitten Heel Stiefelchen mit Nietenbesatz, zum Rewe meines Vertrauens um die Ecke.
Ein Freitagabend bei Rewe erinnert übrigens stark an Berlin '45: Schlachtfeld.
Während sich die jugendlichen Assozialen um Hochprozentiges herumschleichen, diskutieren diese modernen, ernährungsbewussten Familien die irgendetwas mit Marketing studiert haben über die Menügestaltung am Wochenende.

Generell betrachtet finde ich ja das Einkäufe viel über einen Menschen, besonders aber über einen Mann aussagen. Zeig mir dein Körbchen und ich sag dir wer du bist.
Ich würde sogar soweit gehen und behaupten dass ich aus Supermarktwaren mehr charakterliche Eigenschaften und Eigenarten  als aus einem minutiös aufgestellten Horoskop rauslesen kann.
Denn Einkäufe sind, im Gegensatz zu den meisten Männern, wenigstens ehrlich.
Die Familienpackung Miracoli zusammen mit dem Kuschelweich Weichspüler, zum Beispiel, lassen sich auf einen ausgeprägten Mutterkomplez zurückführen
Gemüse in Kombination mit einem laktosefreien Aufstrich und einem Biorotwein sprechen für die Freundin die beim einschlafen immer kalte Füße hat und schon in der gemeinsamen  65qm² großen Mietwohnung wartet. Billige Eier aus Bodenhaltung verraten dass der Käufer selbst zur Gruppe "kleine Eier" gehört und die Yogurette im Männer Einkaufskorb gibt uns zu verstehen: Finger weg.

Um aus meinen Einkaufskorb keinen ehrlichen zu machen (zwei Flaschen grüner Veltliner und die neue Ausgabe der InStyle) griff ich zu sogenannten lebensaufwertenden Alibi - Lebensmitteln.
Fläschchen Smoothie, ein Bund Blümchen, Coccktailtomaten, der Winterzauber Tee und ein Eiweißbrot. Nicht dass ich irgendetwas davon brauchte. Oder gar konsumieren wollte. Es macht sich nur einfach an der Kasse gut.
Gerade als ich meine Lebensmittel auf Band legte, überlegte ob ich es noch wagen könnte ein Snickers dazuzupacken und die Kasssiererin die Waren einscannt merkte ich es.
Zwar hatte ich in alter weltrettermanie und voller umweltbewusstsein meinen Jutebeutel eingepackt - nicht aber meinen Geldbeutel. Der lag auf meriner beschissen ehrlichen Malmkommode in meiner Wohnung.
An dieser Stelle möchte ich auch gern noch mal auf mein Erscheinungsbild aufmerksam machen. Ich stand da also, führte die gefühlt kilometerlange Schlange an der Kasse an. Mit fettigem Haar, ungeschminkt und ohne BH und in Schlafanzugshose und konnte nicht bezahlen.
Der Blick der Kassiererin ließ mich erschaudern. Mit ähnlicher Verachtung hat damals nur Sylvie auf Sabia Boulahrouz herabgeblickt. Und ich spürte die Verachtung der Marketingfamilien und Komasäufer im Nacken. Fast lief ich Gefahr mit Biowaren und Red Bull Döschen beworfen zu werden. Es war nicht nur erniedrigend. Es war erbärmlich und vorallem unnötig und bescheuert meiner seits.
Mit meinem letzten bisschen Restwürde und einer gehörigen Portion Mut sagte ich also mit stolzer und fester Stimme: "Ich bin mir nicht sicher ob Sie Provision bekommen. Trotzdem, Ein blöder Fehler. In diesem Laden kaufe ich nicht!"  und verließ gehobenen Hauptes und mit soviel Achtung es mir unter gegebenen Umständen eben noch möglich war den Supermarkt.
Ich wollte das schon immer sagen. Genau wie Julia Roberts eben. Ich bin mir nicht sicher ob es bei mir die selbe Botschaft hatte.
Jedenfalls muss ich mir nun einen neuen Stammsupermarkt suchen.




 MEIN LOOK:
Jacke: Pull & Bear
Jeans: Zara
Schuhe: Buffalo 
Schwarzes langes Ding aus Chiffon: Der Italiener, lokales Geschäft in Nürnberg
grauer Schal: Anokhi














Mein Leben in Frankfurt hat einen neuen Tiefpunkt erreicht.
Ich bin nun einer MOF (Menschen ohne Freunde) Gruppierung beigetreten. Natürlich haben sich die Organisatoren einen anderen, fancy Namen für das Spektakel ausgedacht.
Macht es an sich aber auch nicht besser.
Man darf sich das vorstellen wie eine Ü30 Party in einer Großraumdisco.
Lauter verzweifelte, frustrierte Menschen wie ich.
Resteficken im übertragenen Sinne.
Ich gehe mal so weit und traue mich zu behaupten dass das schon Gründe hat warum hier niemand mit einem Freundschaftsbändchen am Handgelenk steht.
Wir sind die die beim Völkerball niemand in seine Mannschaft wählen wollte.
Der traurige Rest der Fachpersonal an Kundenhotlines zutextet nur um mal wieder ein bisschen socializen zu können.
Mal abgesehen davon, dass das schon erbärmlich genug ist, werden wir weiter erniedrigt. Wir müssen uns ein Namensschild auf die Brust kleben und zwei famos ausgefallene Eigenarten von uns überlegen und auf Zettel schreiben.
Nach langem hin und her entscheide ich mich, nicht ohne stolz, „trinkt mehr Bier als Wasser – auch tagsüber“ und „kann alle Artikelnummer der Balmain for H&M Kollektion aufsagen“.
Wer mich kennt weiß: das beschreibt mich schon ganz gut.
Blöderweise stellt sich heraus dass ich – wie schon in der dritten Klasse bei den Mathetext Aufgaben – die Aufgabenstellung wohl anders ausgelegt habe. Oder einfach einen verschobene Definition von „Einzigartigkeiten“ habe.

Das schlimmste ist dass nach und nach alle Zettelchen vorgelesen werden – laut. Vor der ganzen Gruppe.
Wir müssen dann raten wer so geil einzigartig ist.
Super.
Die Leute um mich herum fiebern mit der selben Begeisterung mit, wie sie ihre Club Mate schlürfen und im Takt von der Indiescheiße aus den Boxen wippen.
Ich schiele heimlich auf mein Handy um mich per Google Maps zu vergewissern dass ich mich tatsächlich noch in Frankfurt aufhalte – und nicht in Kreuzberg.
Als Nikolaus – der auch darauf besteht das man ihn Nikolaus nennt – zugeornet wird dass sein Vorbild Max Frisch ist und er mehr Menschen für den Veganismus, durch öffentlich inszinierte Theaterstücke, gewinnen möchte entscheide ich dass ich ihn nicht für voll nehmen muss.
In Wahrheit bin ich ein bisschen geflasht von seinem Zöpfchen. Ich mein, in Zeiten in denen es der Männerschaft erlaubt ist schönere Duttfrisuren zu tragen als wir sie uns hinfrisieren können frag ich mich manchmal was Männer uns noch alles wegnehmen dürfen. Ist unser baldiges Alleinstellungsmerkmal bald wirklich nur noch unsere Monatsblutung?

Gerade als ich mit einen Gin Tonic ordern will und mich der Barkeeper allen Ernstes fragt was in diesen Cocktail reinkommt, wird meine Affinität zu Bier und Klamotten kundgetan.
Da ich in meinem Pailettenkleidchen und ohne Jutebeutel an der Bar stehe und den Barkeeper als „eine erbärmliche Schande seiner Zunft“ beschimpfe ist man sich recht schnell einig dass es sich um mich handeln muss.
Unnötig zu erwähnen dass ich an diesem Abend nur wenig neue Kontakte knüpfte.

MEIN LOOK:
Schuhe: Asos
Latzhose: H&M
Pullover: Maison Scotch
Poncho: von Mami letztes Jahr zum Geburtstag bekommen













EIN FREU(N)DLOSER HERBSTLOOK

5. Dezember 2015 Frankfurt, Germany

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